Wie finden wir die Liebe wieder?

Viele meiner Klienten haben auch Stress und Sorgen bezüglich ihrer Beziehungskisten. Immer wieder startet die Gedankenmühle, wenn sich irgendwelche Schwierigkeiten einstellen, wenn man sich zum Beispiel nicht sicher ist, mit der „richtigen“ Person zusammen zu sein, wenn jemand sich verletzt fühlt oder wenn der Partner/die Partnerin sich nicht so verhält, wie man es sich wünscht. Viele fragen sich, wo das verliebte Gefühl hin ist. Andere halten vielleicht sogar schon Ausschau danach, sich neu zu verlieben. Wieder andere haben Angst, dass der Partner/die Partnerin abhanden kommen könnte.

Neulich hatte ich dann die Eingebung, auch das Thema Beziehungen einmal visuell zu illustrieren: Was geht da in uns Menschen vor sich, wenn wir uns mit unserem (ursprünglich geliebten) Gegenüber nicht mehr entspannt, nah und verbunden fühlen?

Die Liebe ist das schönste Gefühl

Wenn wir uns anfangs kennen und lieben lernen, scheint alles wie im siebten Himmel zu sein. Wir sind verliebt:

Wir fühlen uns verbunden und genießen Intimität und Nähe. Wir lieben alles an unserem Gegenüber – selbst die kleinen und die großen Flausen. Alles macht Spaß. Nichts scheint unmöglich. Das geht eine Weile so.

Bei den wenigsten Paaren läuft es ewig so weiter. Manche Paare „schaffen es“ – manche nicht. Durchschnittlich hält eine deutsche Ehe etwa 15 Jahre; zwar sinkt die Scheidungsrate seit Jahren, doch lag sie 2016 noch immer bei fast 40% (wie man hier nachlesen kann).

Was passiert also mit der ursprünglich reichlich vorhandenen Liebe? Kann man nicht doch etwas tun, bevor man überhaupt daran denkt, ob man sich trennt? Vielleicht hilft es, mal zu schauen, was wirklich zu der Abwärtsspirale in Beziehungen führt und wie wir sie vermeiden können:

Plötzlich ist die Liebe weg?

Im Laufe einer Beziehung kommt es häufig vor, dass eine/r der beiden sich dem Gegenüber nicht mehr so intensiv hingezogen fühlt wie am Anfang:

Vielleicht hat sich einer über den anderen geärgert, dann sind böse Worte gefallen und danach ist alles nicht mehr, wie es war? Vielleicht hat mein Gegenüber mich verletzt und nun will ich vorsichtig sein, nicht wieder verletzt zu werden? Vielleicht ist er/sie doch nicht der/die Richtige für mich?

Fragen über Fragen. Je länger die gefühlsmäßige Flaute anhält, umso dringlicher suchen wir nach Antworten. Wir machen uns dann immer mehr Gedanken, was da los ist und suchen einen Ausweg. Auch ich kenne das Gefühl nur zu gut, das mit solchen Fragen verbunden ist: Wo ist denn bloß die Liebe geblieben? Wieso fühle ich mich meinem Partner gegenüber nicht mehr so verbunden wie vorher?

Was aber ist passiert, wenn man keine Liebe mehr spürt?

Vielleicht ist es dir völlig bewusst, dass, je mehr wir zweifeln, je mehr wir über die Beziehung und unser Gegenüber nachdenken, wir uns umso weniger mit ihm/ihr verbunden fühlen? Dann bist du ein Glückspilz! Mir war das nicht bewusst. Was ich aus heutiger Perspektive sehe, hätte ich damals noch nicht einmal für möglich gehalten. Dass es sein könnte, dass ich tatsächlich einfach nur meine eigenen Gedanken fühle, die dann wie eine imaginäre „Wand“ zwischen uns stehen?

Hätte ich damals gewusst, dass in der Abwesenheit einer solchen Frage wie „Ist er wirklich der Richtige für mich?“ auch das dazugehörige, unsichere Gefühl verschwindet, hätte ich mir wohl so manche Gedankenschleife ersparen können. Ich dachte damals immer, mein Gefühl wirft die Fragen auf, dabei war es genau umgekehrt. Eine Frage bringt erst das Gefühl. Sie ist das Gefühl.

Das unangenehme Gefühl des Zweifelns ist nur eine Nebenwirkung eines Gedankens mit einem Fragezeichen am Ende! Jahrelang habe ich versucht, dieses schlechte Gefühl weg zu kriegen, indem ich die Fragen beantworte. Ich habe viel gedacht, aber eine Antwort habe ich nie gefunden. Unschuldigerweise war ich jahrelang in der „falschen Richtung“ unterwegs. Denn das schöne Gefühl lag immer schon in mir – vor den Fragen!! Ich wusste das nur nicht.

Schon als ich mit 15 in meine ersten Beziehungskisten gestolpert bin, hatte ich unendlich viele Zweifel und habe mir immer wieder den Kopf heiß gedacht. Wie oft habe ich meine Mutter gelöchert, ob das normal ist, dass man die Liebe nicht mehr spürt. Sie sagte immer, „die kommt wieder“ – aber ich konnte ihr nicht glauben. Auch mein Tagebuch war voll mit all den Zweifel-Gedanken und Hunderten von Fragen. Ich konnte einfach nicht verstehen, wo das verliebte Gefühl wohl geblieben war. Wie unschuldig es war, dass ich allein durch all die Fragerei in solche Schwierigkeiten gekommen bin!

Aus heutiger Sicht weiß ich, mein Denken war einfach viel zu laut. Mit jeder gescheiterten Beziehung war ich umso mehr davon überzeugt, dass irgendetwas mit mir nicht stimmte, ich konnte einfach nicht dauerhaft lieben.

Dass genau diese Zweifel sowie das Verurteilen meiner Selbst dem schönen Gefühl in die Quere kamen, war für mich damals völlig unsichtbar. Leider hatte mir nie jemand gesagt, dass einzig und alleine meine eigenen Gedanken dem Gefühl von Liebe und Verbundenheit in die Quere kommen können. Hätte ich das gewusst, wäre wahrscheinlich auch meine Ehe nicht in die Brüche gegangen.

Nun sind es nicht nur zweifelnde und verurteilende Gedanken (wie bei mir), sondern alle möglichen Gedanken, die dem schönen Gefühl der Liebe scheinbar den Garaus machen. In Punkto Ärger haben wir es häufig noch auf dem Schirm, dass wir uns wieder verbunden fühlen werden, wenn der Ärger über unseren Liebsten/unsere Liebste verflogen ist. Wenn nicht, dann kann auch der eigentlich temporäre Ärger zu einer dauerhaften „Wand“ zwischen uns werden.

Wenn wir unsichere Gedanken haben, führt es häufig dazu, dass wir anscheinend von dem anderen etwas brauchen, um uns sicher zu fühlen. Kriegen wir nicht, was wir zu brauchen scheinen, wird auch das zu einer „Gedankenwand“. Dabei liegt das Gefühl der Sicherheit einzig und alleine in uns – sie wird nur immer mal wieder von unsicheren Gedanken wie von einem Schleier verdeckt. Unsichere Gedanken zu haben ist menschlich, auch für unser Gegenüber. Wissen wir darum, können wir leichter mit ihnen umgehen.

Herrschen frustrierte und/oder sorgenvolle Gedanken über externe Situationen, haben wir häufig noch Verständnis, sowohl für unser Gegenüber als auch für uns selbst. Es erscheint uns als „normal“, dass man angesichts von Frust und Sorgen mal emotional abwesend ist.

Richten sich unsere Gefühle aber auf unser Gegenüber, nehmen wir sie tendenziell eher sehr ernst und speichern sie als Informationen über ihn/sie ab. Sind wir zum Beispiel genervt angesichts einer Verhaltensweise unseres Partners, halten wir ihn/sie in der Hinsicht als „nervig“. Eine böse Falle – und eine weitere „Wand“. Denn nun sehen wir unser Gegenüber nur noch durch diese Gedankenbrille. Sehen wir ihn/sie dann noch klar?

Zudem haben wir bestimmte Vorstellungen (auch Gedanken), wie jemand sein sollte. Solche Erwartungen schleichen sich oft erst im Laufe der Beziehung ein. Die „Wand“ unserer Erwartungen macht uns völlig blind dafür, wie unser Partner/unsere Partnerin wirklich ist. Statt ihn/sie mit der Offenheit und Toleranz eines klaren Geistes erleben zu können (wie wir ihn/sie beim ersten Kennenlernen und vor allem in dem Moment gesehen haben, als wir uns in ihn/sie verliebten) ist unser Kopf nun voll mit Analyse und Bewertungen. Wir sehen dann nur, was nicht so ist, wie wir es erwarten. Enttäuschungen sind vorprogrammiert.

Je mehr gedankliche Faktoren zusammen kommen, umso höher wird die „Wand“. Irgendwann spüren wir vor lauter Gedanken weder die andere Person noch uns selbst. Kein Wunder, denn durch so eine „Wand“ kann man ja gar nichts mehr sehen. In unserem Bewusstsein fühlen wir nur noch unsere eigenen (oft bewertenden) Gedanken. Sie kreieren ein trügerisches Bild von unserem Gegenüber, unserer Situation und uns selbst. So wird die zunehmende Anzahl von Gedanken zu einer regelrechten „Barriere“. Sie alleine steht zwischen uns und unserem Gegenüber.

Auch der andere spürt diese „Barriere“ und fängt seinerseits/ihrerseits an zu denken. Die „Wand“ wird dicker, gedacht wird nun von beiden Seiten. Denn es ist ja klar, dass wir uns mangels unseres Verbundenheitsgefühls anders verhalten – selbst wenn wir uns Mühe geben, es nicht zu zeigen. Und Schwupp sieht es so aus, als hätte die Beziehung ein Problem. Aber hat sie das wirklich?

Der Ausweg aus der Beziehungskrise

Es gibt tatsächlich einen sehr einfachen Weg. Beide Partner haben zu jeder Zeit die Möglichkeit, einfach zu merken, dass er/sie selbst oder sein/ihr Gegenüber einfach nur in Gedanken verstrickt ist und gerade nicht klar sieht:

Selbst wenn nur eine/r von beiden diese Erkenntnis hat, ändert sich die Dynamik in der Beziehung. Gedanken haben nämlich keine Substanz. Sie sind nur eine temporäre Erscheinung in unserem Geist, aufgrund derer wir dann handeln. Was sie uns suggerieren, sieht zwar wie eine Wahrheit aus. Aber wer hat es nicht schon erlebt, dass am nächsten Morgen – wenn die aufgewühlten Gedanken des Vorabends sich gelegt haben – alles anders aussieht? Bewertende Gedanken über unser Gegenüber sind einfach nicht wahr. Sie erscheinen uns nur so lange als gefühlte Wahrheit, solange wir sie denken. Da ist also nicht wirklich eine „Wand“! 🙂

Was hilft uns, wenn es in der Beziehung schwierig wird?

Wenn wir anfangen in Frage zu stellen, wie wir die Beziehung und unser Gegenüber erleben, und in uns selbst nach der wahren Quelle all unserer Gefühle und Wahrnehmungen suchen, werden Gedanken „durchsichtiger“, wir können sie tatsächlich jederzeit einfach durchschauen:

Mehr und mehr Gedanken fallen dann einfach weg. Und wir bekommen ein Gefühl dafür, wann wir uns in Gedanken verstricken und dass wir sie nicht mehr so ernst nehmen müssen.

Wir erkennen, dass wir ohne Gedanken (also ohne eine „Wand“ zwischen uns) viel klarer sehen. Statt über Dinge nachdenken zu müssen, wird uns zum Beispiel einfach klar, ob unser Gegenüber der/die Richtige ist. Ich weiß, es klingt ungewöhnlich und vielleicht zu einfach. Aber schau mal selbst, ob es stimmt, dass wir tatsächlich durch Klarheit unsere Antworten finden. Mir hat das damals auch niemand gesagt. Obwohl – als ich meinen jetzt Ex-Ehemann geheiratet habe – hatte ich das wohl instinktiv aus genau dieser Klarheit heraus getan.

Wahrscheinlich war ich daher auch umso verzweifelter, als dann Jahre später im Alltag die Liebe so unauffindbar verschwunden war. Heute weiß ich, dass einzig genau meine ständige Suche nach dem verliebten Gefühl und das viele Nachdenken der ersehnten Liebe in die Quere gekommen war. Auch wenn die Erkenntnis zwar für meine Ehe zu spät kam, heute hilft sie mir, wenn ich den Kontakt zu meinem „guten Gefühl“ mal verliere.

Zu verstehen, dass mein Erleben von mir kommt, hilft mir auch, wenn mein Gegenüber sich daneben benimmt. Ich kann heute sehen, dass er/sie nur aufgrund seiner/ihrer momentanen Gedanken handelt, dass er/sie in dem Moment gar nicht anders handeln kann und dafür habe ich automatisch mehr Verständnis. Auch streite ich mich so viel seltener als früher. Und wenn es mal vorkommt, ist es schneller vergessen und vergeben. Wir beide haben dann übersehen, dass wir auf unser Denken hören, aber das ist nicht, wer wir sind.

Wer wir wirklich sind, ist die Verbundenheit, die Liebe, das Verständnis füreinander. Wer diese Klarheit bewusst erlebt hat, erkennt auch, dass unser Wohlbefinden noch nicht einmal von unserer größten Liebe abhängt. Ich weiß, das klingt total daneben. Aber diese Erkenntnis ist tatsächlich die beste Grundlage für eine glückliche Beziehung.

Und übrigens – bevor der Einwand kommt, dass nicht jede Beziehung, die wir eingehen, „richtig“ ist – ich habe mich auch schon aus dieser besagten Klarheit heraus aus einer langjährigen Beziehung verabschiedet. Eine Trennung aus Liebe. Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, sprich mich gerne an, ich erzähle dir gerne die ganze Geschichte 🙂

Fakt ist: Die Klarheit ist die Quelle unserer Weisheit – sie informiert uns in alle Richtungen (z.B. ob wir uns nun trennen oder nicht) – uns wird dann einfach klar, was richtig ist.

Fakt ist aber auch, dass der Zustand vor unseren Gedanken die reine Liebe ist. So oder so hängt unser Wohlbefinden also nicht davon ab, was mit der Beziehung passiert. Aber gehen wir für jetzt mal davon aus, dass zwei Menschen ihre Beziehung wirklich wollen, obwohl sie vielleicht gerade schwierig erscheint:

Wie kann man eine Beziehung retten?

Indem man anfängt, die grundlegende Dynamik zu durchschauen. So wird einfach nur das Verständnis, was unserem guten Gefühl und der Liebe unschuldigerweise in die Quere kommt, zum Beziehungsretter. Das Ergebnis:

Wir fühlen uns wieder verbunden. Die Liebe und die damit einhergehende Nähe waren nie wirklich weg. Sie waren nur von Gedanken verdeckt. Nun können wir uns tatsächlich ….

neu verlieben!

Paare erleben diese Wahrheit oft in Krisensituationen, wenn sie mitten im Streit plötzlich in der Kiste landen. Nach dem Sex hat sich, wie durch ein Wunder, auf einmal alles geklärt. Oft können wir dann auf einer ganz anderen Ebene miteinander reden. Und nun weißt du, was da passiert: Wir fallen raus aus den Gedanken – und wieder rein in die Liebe:

Kennst du das? Vielleicht hast du plötzlich völlig vergessen, warum du eigentlich sauer warst. Das ist eine echte Chance für die Liebe. Man muss tatsächlich nicht das alte Denken wieder hervorholen. Besser man genießt die wieder gefundene Verbundenheit und Nähe. Hier kann man erkennen, dass dieser Zustand der Liebe die einzig wahre Gefühlslage ist: der Raum jenseits allen Denkens, wo man sich ohne Bedingungen verbunden fühlt. Aus der Weisheit des klaren Geistes heraus werden frische Gedanken hervorsprudeln.

Und durch diese neuen Gedanken erfährt das Paar neue Impulse. Lösungen werden sichtbar.

Diese einfache Wahrheit gilt nicht nur in der Liebe

Sie gilt auch für alle anderen Beziehungen, sei es die Beziehung zu deinem Chef und deinen Kollegen, zu deinen Eltern und Kindern, deinen Freunden und Bekannten, aber auch die Beziehung zu dir selbst, deinem Körper und zu wirklich allen Dingen in deinem Leben. Was wäre, wenn in jeglicher Hinsicht immer nur die „Wand“ unserer Gedanken zu durchschauen wäre, um schwierige Situationen mit Leichtigkeit und Klarheit angehen zu können?

Abschließend würde ich am liebsten sagen, dass alle meine Beziehungen himmlisch sind – das sind sie nicht. Wir sind nun einmal denkende Wesen. Ich denke auch. Aber das kann ich jederzeit merken. Zu wissen, was da in mir passiert, gibt mir die Freiheit, dass ich nicht weiter über meine Beziehungen und über die Menschen in meinem Leben nachdenken muss. Und das wiederum gibt mir ein besseres Gefühl. So fühle ich mich ihnen automatisch wieder tiefer verbunden.

Und es gibt immer wieder Momente, wo ich die zugrundeliegende Wahrheit erneut erlebe, und in denen ich von dieser unendlich schönen, bedingungslosen Liebe (unserer wahren Natur) kosten darf. So erfahre ich immer wieder, was jenseits aller Gedanken wahr und für mich richtig ist.

Und das Vertrauen wächst.

Über Katja Symons

Katja Symons hat im Jahre 2011 für sich den Weg aus dem Burnout, aus chronischer Erkrankung und Depression gefunden. Sie entdeckte, was tatsächlich in uns Menschen vor sich geht, wenn wir in Schwierigkeiten geraten und fand so den Schlüssel zum "Wohl-Sein im Fluss". Mit ihrem Coaching und Resilienztraining (ohne Training) hilft sie Menschen, aus dem Stress wieder in den Flow und zu innerer Ruhe & Inspiration zu kommen. Katja Symons hilft uns dabei, unabhängig zu werden - frei von unseren Umständen und unserer Vergangenheit. Sie zeigt uns, wo wir in uns selbst alles finden können, wonach wir suchen. Und das einfach nur durch eigene Erkenntnis, und ohne etwas üben oder praktizieren zu müssen.

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