Wie können wir uns selbst helfen?

Kürzlich habe ich mit einem Gastbeitrag an einem Kongress teilgenommen, wo es um das Klopfen von Akupunkturpunkten zum Thema „Seelische und körperliche Schmerzen“ ging (EFT u.ä.). Ich habe meine eigene Geschichte geteilt und darüber gesprochen, worin ich heutzutage den Schlüssel zu unserem Wohlbefinden sehe. Die Beiträge anderer aber erinnerten mich an die Zeiten, wo ich selbst versucht habe, emotionale und körperliche Probleme einfach „wegzuklopfen“ (manchmal mit Erfolg).

Die meisten Menschen, die sich für mein Coaching interessieren, fragen mich, was sie gegen ihre Probleme „tun“ können. Sie haben – wie ich damals – schon alles mögliche probiert. Wir scheinen ständig auf der Suche nach der perfekten Strategie zu sein, die uns retten soll, wenn wir in Schwierigkeiten geraten. So lesen wir oft einen Ratgeber nach dem anderen.

Für jede unserer Befindlichkeiten gibt es sogar zig verschiedene Herangehensweisen. Die Selbsthilfe-Abteilung im Buchladen nebenan platzt bald aus allen Nähten. Jeder Mensch, der je ein Problem gelöst hat, scheint ein Rezept zu haben. Manchmal funktioniert, was wir da lesen, und manchmal nicht.

Warum aber ist das so? Haben wir noch nicht die richtige Methode gefunden? Oder machen wir etwas falsch?

Neulich habe ich dann mit einer Klientin gearbeitet, die auch klopft. Sie hatte ein bestimmtes Thema geklopft, über das sie eine Menge Denken hatte – und es hat sich aufgelöst. Hat die Methode also funktioniert? Oberflächlich betrachtet, ja. Auf einer tieferen Ebene aber sieht es so für mich aus:

Es funktionierte, weil es – außer dem (illusionären) Denken – gar kein Problem gab. Das mag sich schräg anhören. Es erscheint zu schön, um wahr zu sein, aber in der Abwesenheit unseres bewertenden Denkens löst sich jedes noch so real erscheinende Thema einfach auf. Wenn wir in dem Vertrauen klopfen, dass sich etwas ändern wird, geht das konform damit, wie es in uns bereits funktioniert, dass sich Dinge ändern: Uns kommen frische Gedanken ins Bewusstsein. Dann nehmen wir dieselben Dinge plötzlich anders „wahr“. Es sieht so aus, als hätte „das Klopfen“ geholfen.

Das wäre ungefähr so, als würde es immer helfen, wenn wir bei Stress raus in die Natur gehen. Tut es aber nicht. Ich habe mir selbst auf einem Berggipfel schon die Haare gerauft, statt die Aussicht zu genießen.

Jahrelang habe ich es mit allen möglichen Ratgebern versucht. Mir ging es einfach nicht gut. Ich fand ständig irgendetwas zu „reparieren“ an mir. Schließlich hatte ich 22 laufende Meter Selbsthilfebücher im Regal. Sie haben mir mal mehr, und mal weniger geholfen. Den Durchbruch haben sie nie gebracht. Aus heutiger Sicht ist mir klar, warum Selbsthilfetechniken und -methoden wirken, wenn sie das tun. Und warum sie es oft nicht tun.

Und was also ist dann zu tun?

Ich würde sagen: Das Problem an der Wurzel packen. Nicht in der Weise, wie wir es bisher vielleicht getan haben, durch Analyse und „Geradebiegen“ der Dinge, die anscheinend nicht mit uns stimmen. Vielmehr indem wir erkennen, dass schon genau bei dieser anfänglichen, oft selbstgestrickten „Diagnose“ etwas faul ist.

Was wäre, wenn es tatsächlich in unserer Macht liegt, über alles hinwegkommen zu können, was wir erleben? Vielleicht machen wir gar nichts falsch, wenn es uns nicht gut geht? Auch, wenn es manchmal unangenehm ist.

Vielleicht kann sich alles, was wir als „wahr“ nehmen, von ganz alleine korrigieren? Vielleicht können wir verstehen, was in uns vor sich geht, wenn es uns nicht gut geht? Das wäre aber viel zu einfach, höre ich dann oft. Menschen wollen etwas tun. Was aber, wenn es nichts zu tun gibt?

Was ist es dann, was uns hilft?

Als ich damals (vor den Drei Prinzipien) als Therapeutin für alternative Heilmethoden gearbeitet habe, dachte ich immer, die Heilarbeit hat die Veränderung in meinen Klienten hervorgebracht. Heute sehe ich das anders. Die Klienten haben sich (mal mehr und mal weniger) im Vertrauen der Heilarbeit hingegeben. Je mehr sie auf der Behandlungsliege tatsächlich relaxt haben, umso größer war die Transformation. Das war vor allem deutlich zu sehen, wenn es um emotionale Probleme ging. Auf der körperlichen Ebene habe ich dieses Phänomen hauptsächlich an mir selbst beobachtet, wenn ich selbst behandelt wurde.

Während dies natürlich persönliche Beobachtungen meinerseits sind, gibt es Studien, die belegen, dass auch die Empathie und Wärme des Therapeuten ausschlaggebend für den Behandlungserfolg sind (gesehen in einer BBC Two Dokumentation „The Power of the Placebo“ – hier ging es u.a. um eine Behandlung von Reizdarm-Patienten mit vorgegaukelter Akupunktur ohne wirklich Nadeln zu setzen). Die guten Resultate der Studie sprachen für sich, aber wie kamen sie zustande? Meine Theorie: Je mehr wir dem Therapeuten vertrauen, umso mehr werden wir uns einer Behandlung hingeben.

Was uns wirklich hilft, ist also nicht die eine oder andere Methode – es ist in Wirklichkeit die Hingabe an das, was schon perfekt in uns funktioniert: Dass sich die Dinge ändern. Und an den Fakt, dass sich unser gesunder Grundzustand am schnellsten dann einstellt, wenn wir mit unserem „kleinen Denken“ aus dem Weg gehen.

Ich sehe das auch in mir selbst, wenn ich mal krank werde. Als ich letztes Jahr eine schwere Gürtelrose durchgemacht habe, kam der Wendepunkt genau dann, als ich mich etwas Größerem in mir hingegeben habe. Ich las über den häufig chronischen Verlauf der mit einer Gürtelrose einhergehenden Nervenschmerzen. In einem Moment totaler, geistiger Klarheit hatte ich plötzlich die Wahl: Ich konnte mich entweder weiter als „krank“ identifizieren (und die Schmerzen dadurch chronisch werden lassen) oder auf meine innewohnende, gesunde Verfassung und mein von den Symptomen unabhängiges Wohlbefinden bauen.

Am folgenden Montag ging ich trotz Schmerzen wieder zur Arbeit. Innerhalb kürzester Zeit konnte ich alle Schmerzmittel, darunter auch Opiate, schrittweise wieder absetzen. Dies ist keine Handlungsanweisung und ich sage auch nicht, dass für jede/n Menschen die Schmerzen „verschwinden“. Was ich beschreibe, ist eine Einladung, für sich selbst in eine andere Richtung zu gucken und sich zu fragen:

Wie können wir uns wirklich selbst helfen?

Das ist meine Erfahrung: Indem wir prinzipiell durchschauen, was unserem Wohlbefinden anscheinend in die Quere kommt. Wenn wir in diese Richtung schauen, fallen wir unweigerlich irgendwann raus aus der Illusion, etwas stimme nicht mit uns. Und dann erkennen wir, dass es keiner Methode, Technik oder Strategie bedarf, um das zu sein, was wir schon sind. Heil und vollkommen. Und das völlig unabhängig von all unseren Umständen.

Dazu müssen wir allerdings in genau die entgegengesetzte Richtung gucken als all die Methoden, Techniken und Therapien, die etwas zu „reparieren“ beabsichtigen – nämlich dorthin, wo unsere gesunde Verfassung bereits liegt. Und das ist nach meiner Erfahrung das beste Rezept.

Und wenn es dann noch etwas zu „tun“ gibt, wird unsere Weisheit uns den Weg weisen. So, wie ich tief in mir wusste, dass ich mich, noch mitten in der Gürtelrose, schon wieder ins Leben begeben musste.


PS: Ich will damit nicht sagen, dass man keine Medikamente, keinen Arzt oder Therapeuten, oder keine Hilfe zur Selbsthilfe mehr braucht. Es geht darum zu erkennen, wo jenseits aller Methoden tatsächlich unsere Macht liegt – nämlich in der Hingabe an unsere wahre Natur – und das ist ganz unabhängig davon, was wir tun.

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Über Katja Symons

Katja Symons hat im Jahre 2011 für sich den Weg aus dem Burnout, aus chronischer Erkrankung und Depression gefunden. Sie entdeckte, was tatsächlich in uns Menschen vor sich geht, wenn wir in Schwierigkeiten geraten und fand so den Schlüssel zum "Wohl-Sein im Fluss". Mit ihrem Coaching und Resilienztraining (ohne Training) hilft sie Menschen, aus dem Stress wieder in den Flow und zu innerer Ruhe & Inspiration zu kommen. Katja Symons hilft uns dabei, unabhängig zu werden - frei von unseren Umständen und unserer Vergangenheit. Sie zeigt uns, wo wir in uns selbst alles finden können, wonach wir suchen. Und das einfach nur durch eigene Erkenntnis, und ohne etwas üben oder praktizieren zu müssen.

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